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Sunday, 05 April 2009

wewe

Warum ich Werber werden möchte
Als Kind wollte ich Reporter werden. Tim und Struppi verhiessen ein Leben voller Abenteuer und Reisen in ferne Länder. Ein paar Jahre später ist mir aufgefallen, dass sich Tim nicht für Frauen interessiert, also wurde James Bond zu meinem Vorbild. Aber anstatt die mondänen Superschurken mit der Pistole flugs zur Strecke zu bringen, wollte ich lieber Portraits über sie schreiben. Wiederum ein paar Jahre später bemerkte ich, dass der rasende Reporter vor allem Economy fliegt; es platzte auch dieser Traum. Und Schriftsteller saufen sich zu Tode, das fand ich noch nie eine besonders attraktive Pointe.

Also Journalist. Sie recherchieren wie weiland Bernstein und Woodward, bewegen sich im Trenchcoat und Fedora durch Tiefgaragen, insistieren, decken Zusammenhänge auf, schreiben klammheimlich an der grossen Story, dem Scoop, der Firmenfundamente wackeln und Diktatoren stürzen lässt. Setzen sich ein für das Gute, für die Wahrheit und berichten der Welt objektiv, wenn am Mekong der berühmte Sack Reis umfällt. Crickey.

Dann habe ich gelesen, was Kreativgenie Lee Clow gesagt haben soll: «Everything a brand does is advertising». Meinetwegen, aber nur Firmen müssen tief in die Tasche greifen, um ihre Botschaft zu verbreiten. Fand ich nicht fair, schliesslich gibt es viele Gemeinsamkeiten: FAM™, LVMH™, MvH™, BMW™, Roger Köppel™ oder Betty Bossi™. Also habe ich eine Zeitung gegründet, bei der auch die Journalisten für den Abdruck ihrer Texte bezahlen. Was soll ich sagen, die Karriere als Verleger war nicht von Erfolg gekrönt.

Werber aber fahren am Morgen mit dem Aston Martin ins Büro im Seefeld. Die Kolleginnen sind alle knapp an der Modelkarriere vorbeigeschrammt, verstehen den Beruf als Berufung und arbeiten darum oft am Samstag Abend (ohne zu murren). Sie schmieden Konzepte, verstehen es, Text, Grafik, Bild und Ton zu einem Gesamtkunstwerk zu verpacken und jetten für das Shooting mit Juergen Teller (Werbefotograf) und Lily Cole (Werbekörper) kurz in die Wüste von Kalifornien (werbewirksam). Gewinnen damit Preise, die sie für fünfzehn Minuten weltberühmt machen in Cannes. Internationale Konzerne wie Apple, Mercedes und Hermès reissen sich um sie, entwerfen mit ihnen zuerst die Kampagne, um erst danach das dazu passende Produkt zu entwickeln. Das alles gefällt mir sehr, darum werde ich jetzt Werber. Meine erste Anzeige ist leider schon fertig.


Diese Kolumne wurde für die ADC-Festausgabe der Weltwoche («Werbewelt») erstellt, eingeplant und so akzeptiert. Redaktionsschluss war der 7. Dezember 2009. Am 26. Januar 2010, fünf Tage vor dem ADC-Fest, wurde mir mitgeteilt, dass der Text kurzfristig aus dem Heft gekippt wurde.