Am Flughafen

Monday, 05 May 2008


Als ich jünger war, verhiess ein Flughafen so etwas wie die Möglichkeit, dem Berufsstand des Geheimagenten beizutreten. Und auch wenn ich nie erlebt habe was es heisst, für einen Flug nach New York den Gegenwert eines VW Käfers zu entrichten, bin ich doch davon überzeugt, dass die ganze Erfahrung früher, als alles besser war, besser war.

Technologie hat zwar das eigentliche Fliegen sicherer und erträglicher gemacht. Aber sie hat dazu geführt, dass es den Flughafen nicht mehr gibt. Es gibt den Schalter zum Einchecken, denjenigen fürs Gepäck, die Passkontrolle, das Gate und alles scheint vernetzt, als würden wir noch immer auf Steintafeln schreiben. Diese Module können offenbar nicht miteinander, sonst würde man nicht dreimal (!) den Pass zeigen müssen. An dieser Stelle wird oft auf eine Analogie aus dem Tierreich verwiesen. Eine Nasenbär-Familie etwa, die ähnlich funktioniert. Aber nicht einmal Im Reich der wilden Tiere (Original-Titel: Mutual of Omaha's Wild Kingdom, ist das Internet nicht wunderbar) finden sich Konstrukte wie Flughäfen.

Etwas ähnliches allerdings begleitet uns durch den Tag: Der Computer. Da gibt es die Grafikkarte, den Monitor, das Motherboard, den Prozessor, Mäuse, Menschen, halt die ganze Palette an Dingen, die den Computer erst zu der nervtötenden Maschine machen, die er ist. Weil nichts wirklich zusammen passt. Das nennt man dann Betriebssystem. Die Firma Unique also, um in heimischen Gefilden zu bleiben, ist so etwas wie Linux: Offen für jedermann, aber eine Qual für diejenigen, die damit konfrontiert werden.

Während der Reise vor der Reise, der Odyssee mit Gepäck durch den Flughafen also, fühlt man sich konsequent so, als sässe man vor dem Bildschirm: Es wird einem mitgeteilt, was man tunlichst unterlassen soll oder, wenn man etwas anderes unterlässt, welch drakonische Folgen das nach sich zieht. Und man wartet. Man wartet fast grundsätzlich. Ich vermute sogar, dass das Konzept Warten extra eingebaut wird, damit mehr Zeit zum Einkaufen bleibt.

Das hat wenig mit erhöhter Sicherheit zu tun und viel mit einem eher bescheiden durchdachten Design. Aber da man durch den alltäglichen Umgang mit Technologie bereits konditioniert wurde, freut man sich, wenn einem ein Stück Schokolade geschenkt wird. Flughäfen waren früher Verkehrsknotenpunkte, die die Zukunft versprachen. Heute sind sie zur Antithese des Fortschritts verkommen: Wie ein Computer ohne Netzanschluss.

Update: Am 29. März 2009 ist auch an Schweizer Flughäfen das Schengener Abkommen in Kraft getreten und hat teilweise verbessert, was ich hier kritisiert habe. Wer nach Europa fliegt, muss jetzt nur noch am Gate den Pass zeigen. Oder so ähnlich. Your mileage may vary.