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Beim Coiffeur

Monday, 05 January 2009


“Die Frisur hält hier nur ein paar Minuten”

Anke Gierman, Kralendijk, Bonaire, ist 28 Jahre alt und zusammen mit zwei Brüdern in Holland aufgewachsen. Ihre Mutter arbeitet bei der Post, ihr Vater war vor seiner Pensionierung bei der Marine. Mit 20 Jahren ist sie auf die Insel Aruba ausgewandert, seit zwei Jahren lebt sie mit ihrem Sohn Kalani auf Bonaire, einem Teil der Niederländischen Antillen vor der Küste Venezuelas. Pro Monat verdient Anke rund 1200 Franken.

Hair Affair
Der kleine Salon liegt nur wenige Meter vom Meer entfernt im Zentrum der Hauptstadt Kralendijk, in unmittelbarer Nachbarschaft von Restaurants und Bars. Zum umfangreichen Angebot gehören auch Gesichtsmasken, Massagen und Pediküren. Ein klassischer Haarschnitt kostet 28 Franken.

Bonaire, Niederländische Antillen
Einwohner: 14'000
BIP pro Kopf: CHF 15'600
Milch: 1 l CHF 2.60
Brot: 1 kg CHF 3.10
Kinobillett: CHF 6.40
Zigaretten: CHF 3.80
Taxi: 5 km CHF 12

Welcher Haarschnitt ist im Moment angesagt?
Wissen Sie, es ist hier schwierig eine Frisur zu schneiden, die auch hält. Das Meer, der Wind, das alles ist den Haaren nicht gerade zuträglich. Nichts kompliziertes also! Vielleicht einen Bob wie ihn Victoria Beckham trägt, ja, das wird immer mal wieder verlangt, aber nach ein paar Minuten sieht das dann schon wieder ganz anders aus!

Warum wurden Sie Coiffeuse?
Eigentlich wollte ich Stewardess werden, man hat halt so seine Vorstellungen als junges Mädchen. Einen Ausbildungsplatz zu kriegen war aber sehr kompliziert, darum besuchte ich an einem „Tag der offenen Tür“ einen Coiffeursalon. Und mir gefiel die Arbeit mit Haaren, Farben und Kosmetik sehr. Also habe ich beschlossen, Coiffeuse zu werden. Ich war 17 Jahre alt.

Haben Sie eine spezielle Methode?
Nun, man lernt das Handwerk in der Lehre. Die Feinheiten kriegt man mit, wenn man jeden Tag Kunden bedient und sich ein paar Tricks beibringt, die man bei den älteren Kolleginnen sieht. Jeder entwickelt dann seinen eigenen Stil. Aber ich würde nicht sagen, dass ich eine spezielle Methode hätte.

Was sind Ihre wichtigsten Werkzeuge?
Mit dem Messer arbeite ich wann immer es geht und natürlich mit meiner persönlichen Schere, die niemand anders benützen darf! Bei den Männern verwende ich oft die Tondeuse, eine Art elektrischer Rasierapparat für die Haare. Wahrscheinlich verwendet man überall etwa dasselbe, meinen Sie nicht?

Vermutlich schon. Haben Sie viele Stammkunden?
Ja. Die Besitzerin des Salons, Janneke, lebt seit 15 Jahren auf der Insel und kennt jeden. Viele Kunden kommen regelmässig vorbei, um mit uns ein Schwätzchen zu halten, einmal pro Woche, oft nur zum Föhnen.

Was für Leute sind das?
Leute, die hier wohnen oder Touristen, die ihre Ferien immer wieder auf der Insel verbringen. Oft kommen auch Leute her, die ein paar Monate hier arbeiten und danach wieder in ihr Land zurückkehren.

Welche Kunden sind die grösste Herausforderung für Sie?
Wie ich schon gesagt habe, die wirkliche Herausforderung ist das Klima. Die Leute hier schätzen das langsame Tempo und die Lockerheit, für mich als Coiffeuse ist das ein Vorteil. Schwierig ist vielleicht, wenn eine Person überhaupt nicht weiss, was sie möchte. Oder wenn eine Frau sehr lange Haare hat und ich sie abschneiden muss!

Haben Sie prominente Kunden?
Kaum. Wir haben hier weder Politiker noch sonstige Berühmtheiten. Aber wenn Henny Huisman auf der Insel ist und Ferien macht, kommt er zu uns. Kennen Sie ihn? Er ist in Holland ein bekannter Fernsehmoderator.

Wem würden Sie gerne die Haare schneiden?
Da habe ich keinen bestimmten Wunsch. Ich schneide allen gleich gerne die Haare.

Wer hätte einen besseren Haarschnitt verdient?
Die niederländische Königin Beatrix!

Wer schneidet Ihre Haare?
Janneke und ich schneiden uns oft gegenseitig die Haare. Es kann aber auch sein, dass ich selber die Schere ansetze. Oder die Aushilfe, die ab und zu hier arbeitet.

Was sind Ihre Zukunftspläne?
Mein Sohn ist das wichtigste in meinem Leben, aber in ein paar Jahren würde ich schon gerne meinen eigenen Salon haben. Wissen Sie, hier zu arbeiten ist wirklich entspannend. Das Wetter ist fantastisch, das Meer liegt sprichwörtlich vor der Türe, was kann man mehr verlangen? Insofern bin ich sehr zufrieden.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Wenn man fünf Tage pro Woche arbeitet und einen kleinen Sohn hat, bleibt nicht so viel Zeit übrig für Freizeit, aber das macht mir nichts aus. Wir fahren ab und zu an den Strand oder besuchen ein Baseball-Spiel und zuhause gibt es immer etwas zu tun.

Auf dieser Insel drängt sich die Frage auf: Tauchen Sie?
Leider nein. Damit scheine ich hier fast die einzige zu sein!

Wo waren Sie das letzte mal in den Ferien?
Ich fliege oft nach Holland, meine Familie und Freunde besuchen. Ich mag Holland sehr, kann mir aber nicht mehr vorstellen, dort zu leben.
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