Berner, die man kennen sollte (Es war einmal...)

Wednesday, 08 April 2009


Albert Anker

Ob Albert Anker nun ein Heimatmaler war und blieb oder ob er auch internationale Ausstrahlung hat, ist bei Fachleuten umstritten. Auf jeden Fall hat sich der 1810 in Ins geborene Anker mit den Illustrationen zu den Erzählungen des Jeremias Gotthelf ein Denkmal geschaffen.

Ruedi & Stephanie Bauman
Der 48jährige Protagonist der ökologischen Landwirtschaft sitzt seit 1991 für die Freie Liste im Nationalrat. Der ambitiöse Bauer und Agronom ETH schafft sich mit Engagement nicht nur Freunde, auch wenn es seinen Feinden oft an Argumenten fehlt, wie sein im Frühling von Unbekannten verschmutzter Hof in Suberg zeigt. Dass es bei Baumanns an Gesprächsstoff bestimmt nicht mangelt, ist klar: Seine Frau Stephanie sitzt ebenfalls im Nationalrat, allerdings bei der politischen Konkurrenz, der SP.

Heinz G. Baus
Aluminium ist das Erfolgsrezept von Heinz G. Baus: Aus diesem Material stellt er nämlich Duschkabinen her. Aber nicht nur die Duscholux AG ist sehr erfolgreich, sondern auch Baus' zweites Kind: Die Interbauhaus AG, immerhin Europas grösste Do-ityourself-Ladenkette mit über 60 Filialen. Baus hält nicht viel von Publizität. So versucht der gelernte Glaser, Schreiner und Lüftungstechniker konsequent, die Spuren, die zu ihm führen, zu verwischen. «Keine Auskunft», war denn auch das einzige, was die Bilanz von ihm am Telefon zu hören bekam. Die Verschwiegenheit zahlt sich offenbar aus: Baus ist mit einem geschätzten Vermögen von 1,5 Milliarden der reichste Berner.

Christine Beerli
Sie kocht gerne, ist häuslich, liebt ihre drei Katzen und den Hund. Die Bieler Fürsprecherin Christine Beerli ist aber beileibe keine Stubenhockerin, sondern eine vielbeschäftigte Berufsfrau. Sie führt ein Advokaturbüro und redet in der eidgenössischen Politik als FDP-Ständerätin ganz vorne mit. Eine Doppelbelastung, die ihr zuweilen etwas zu schaffen macht. Andererseits liebt sie die kollegiale Kommissionsarbeit im Stöckli, auch wenn sie dafür schon einige Ferienwochen im - von Chiracs Atomversuchen abgesehen - bevorzugte Frankreich opfern musste.

Emanuel Berger
Vor Emanuel Bergers Hauseingang putzen sich die mächtigsten Wirtschaftsbosse und grössten Staatsmänner die Schuhe ab. Der Glarner Hotelier hat das sagenhafte Victoria Jungfrau in Interlaken wieder zur Blüte gebracht. Zwar logieren im Haus mit dem atemberaubenden Blick auf die Berner Alpenwelt nicht mehr russische Fürsten und englische Lords, aber Berger heisst auch Wirtschaftskapitäne der Gegenwart willkommen. Er schafft es trotz der vornehmen Aura immer wieder, zugleich diskretund bescheiden, geschäftsbewusst und volksnah aufzutreten.

Rolf Biland
Ein Tüftler und Tester war er schon immer. Dass er es aber richtig macht, zeigen die sieben Weltmeistertitel des 44jährigen Seeländer Seitenwagen-fahrers Rolf Biland. Hat er einmal den richtigen Partner gefunden, ist er dem auch treu. Die letzten sechs Titel holte er alle mit Kurt Waltisberg. Never change a winning team gilt im Seitenwagensport ganz besonders. Nebenbei: Biland ist der erfolgreichste Pilot aller Zeiten in seiner Sparte.

Harry Borer
Er ist wahrscheinlich der letzte grosse Uhrenfabrikant – ein richtiger Patron. Der 67jährige Rolex-Direktor Harry Borer stammt selber aus einer jurassischen Uhrmacherfamilie und hat die Bieler Luxus-Uhrenfabrik seit 1967 sicher durch alle Wirtschaftskrisen geführt. Man sagt, er kenne noch jedes Rädchen und Schräubchen seiner Uhren und wisse über alle Maschinen in seinen Werkhallen Bescheid. Genau weiss das niemand, denn Harry Borers Markenzeichen ist seine Bescheidenheit und die Zurückhaltung gegenüber den Medien.

Dällebach Kari
Kurt Früh hat über ihn den vielleicht besten Schweizer Film gedreht. Dällebach Kari, Archetyp eines Stadtoriginals, ein Witzbold, der eines Morgens in dramatischem Widerspruch zu seiner Bekannt- und Beliebtheit dem Leben in grösster Verzweiflung mit einem Sprung in die Aare selber ein Ende setzte. Karl Tellenbach hat tatsächlich gelebt: Geboren wurde er am 6. April 1877 in Walkringen, gestorben durch Freitod im August 1931. Ab 1900 besass er einen Coiffeursalon an der Berner Neuengasse. Jeder kannte Kari und seine Sprüche. Noch 1979 erhielt die Berner Zeitung nach einem Aufruf unzählige Briefe von Menschen, die ihn kannten.

Friedrich Dürrenmatt
Ob gelesen oder nicht - jeder hat bestimmt ein Buch von ihm in seiner Bibliothek: Friedrich Dürrenmatt war und ist neben Max Frisch immer noch der wichtigste Schweizer Schriftsteller des Jahrhunderts. Er lieferte Vorlagen für internationale Film-Erfolge wie Der Besuch der alten Dame (mit Anthony Quinn) oder Die Panne (Regie führte der Italiener Ettore Scola), schrieb unzählige andere Werke, war Theater-Regisseur, passionierter Maler, kritischer Beobachter der Schweiz und nicht zuletzt ein unvergleichlicher, bissiger Satiriker. Der gebürtige Konolfinger Pfarrerssohn, der seinen ganzen literarischen Nachlass der Eidgenossenschaft vermachte, starb 1991 im Alter von 70 Jahren.

Beat von Fischer
Der erste bedeutende Berner Pöstler war vor allem ein einflussreicher Patrizier. Das war auch nötig, denn Beat von Fischers Gegner im ausgehenden 17. Jahrhundert waren nicht etwa in erster Linie wilde Tiere oder Bergstürze auf den Alpenpässen. Beim Auf- und Ausbau seiner Fischerpost, die er 1675 gegründet hatte, musste er vor allem gegen neidische Zürcher oder Genfer Kauf- und Postherren kämpfen. Doch anscheinend hat sich der Einsatz gelohnt. Nicht nur die erste Gotthardpost geht auf seine Kappe, er konnte seinen drei Söhnen auch ein so grosses Vermögen hinterlassen, dass dieseauf ihren Schlössern in Oberried oder Gümligen alles andere als darben mussten.

Jean-Jacques Gauer
Jean-Jacques Gauer, 42, sieht man den Druck nicht an, der auf ihm lastet. Der charismatische Abkömmling der Hoteliersfamillie Gauer steht seit 16 Jahren an der Spitze des Hotels Schweizerhof im Zentrum von Bern. Mit lächelndem Blick wandelt er täglich durch die Räume, hält da und dort ein Schwätzchen – oft mit Parlamentariern, die in seinem Haus gastieren. Hoteliersarbeit eben, die ihm Spass macht. Zuletzt musste er sich jedoch vor allem in einem langwierigen Rechtsstreit mit seinem ehemaligen Mitarbeiter Hans Zurbrügg herumschlagen.

Gisele Girgis-Musy
Gisele Girgis-Musy zog es wohl wieder näher zu ihrer Heimat hin. Im Mai 1995 übernahm die 46jährige Welschschweizerin die Leitung der Migros Bern, nachdem sie zuvor sechs Jahre lang die Verkaufsabteilung der Migros Zürich geführt hatte. In Bern erwartet sie eine mindest ebenso grosse Aufgabe. Sie wird die Geschäfte der zweitgrössten Migros-Genossenschaft, mit 6700 Angestellten und einem Jahresumsatz von über 1,5 Milliarden Franken, leiten.

Sergius Golowin
Seine Vorfahren im Mittelalter stammten aus der Krim. Vielleicht haben sie ihm die esoterische Ader vererbt, die ihn so erfolgreiche Bücher wie Die weisen Frauen oder Die Welt des Tarot schreiben liessen. Golowin gilt auch als der geistige Vater der Hippie-Bewegung in der Schweiz. Kein Wunder, dass er in jüngster Zeit etwas in Vergessenheit geraten ist.

Jeremias Gotthelf
Ein Bauerndichter im Bauernkanton Bern? Das wäre zu einfach, denn Jeremias Gotthelfs Romane und Erzählungen sind derart packend und spannend geschrieben, dass sie nicht nur in Bern, sondern im ganzen deutschen Kulturkreis immer noch mit glühendem Interesse gelesen werden. Missionarischer Eifer haucht den Geschichten des Pfarrers aus Lützelflüh, der mit bürgerlichem Namen Albert Bitzius hiess, das Leben ein. Gotthelf war von tiefer Argwohn gegen die Städte und die moderne Zivilisation erfüllt, obwohl er im letzten Jahrhundert - von 1797 bis 1854 - lebte. Im Bauernstand sah er den schöpfungs und naturgemässen Kulturstand. Seine bekanntesten Werke sind Ueli der Knecht, Die schwarze Spinne, Geld und Geist sowie Die Käserei in derVehfreude.

Robert Grimm
Der 1881 geborene Robert Grimm war in erster Linie ein engagierter Politiker und Sozialdemokrat. Seine Sternstunden erlebte er als einer der grossen Köpfe des Landesstreiks 1918. Im Gefängnis schrieb er eine spannende Schweizer Historie. Später wurde er politisch zahmer und betätigte sich in obersten Kadergefilden: Von 1946 bis 1952 leitete er die Lötschbergbahn. Bekannt wurden seine Bücher, das eine über die Geschichte der bernischen Arbeiterbewegung, ein anderes über die Geschichte der sozialistischen Ideen in der Schweiz.

Grock
Adrien Wettach wurde 1880 in Reconvilier in einer Uhrmacherfamilie
geboren. Als Clown Grock brachte er die ganze Welt zum Lachen. Vor allem mit Clown-Nummern als tolpatschiger Musiker: Zum Beispiel versuchte er Klavier zu spielen und musste dazu den schweren Flügel näher an den Klavierstuhl schieben... Markenzeichen seines Spektakels war sein berühmtes «Nid mööögli». Er nahm 1954 in Hamburg Abschied von der Bühne. Fünf Jahre später starb er.

Riccardo Gullotti
Der neue Konzernchef von Kuoni weiss, was er will: den grössten Reisekonzern der Schweiz von der stürmischen See der jüngsten Vergangenheit in ruhigere Wasser geleiten. Dabei fing alles so harmlos an: In Bern Matura, Studium der Rechtswissenschaften und anschliessend Auslandaufenthalt in England. Dann kam der Aufstieg: Als Wirtschaftsanwalt sass Gullotti im selben Advokaturbüro wie Freund Georg Krneta, mitten in der Schaltzentrale des Berner Machtgefüges. Neben Kuoni schmückt sich der inzwischen 51jährige mit diversen anderen VR-Mandaten, zum Beispiel der Schweizerischen Volksbank oder der Berner Tagblatt Medien AG.

Gret Haller
Gret Haller hat Bundesratsformat, zumindest nach der Ansicht einiger ihrer Parteikolleginnen von der SP, die sie gerne als Otto Stichs Nachfolgerin gesehen hätten. Dass eines ihrer Bücher Streitbare Friedfertigkeit heisst, ist kein Zufall: Die ehemalige Nationalrats-präsidentin legt sich gerne quer und verletzt auch mal das Kollegialitätsprinzip. So geschehen zum Beispiel 1987, wo sie noch im Berner Gemeinderat sass und den massiven Polizeieinsatz gegen die Zaffarayaner vor dem Stadtrat aufs schärfste verurteilte. Dem Stimmvolk allerdings missfiel diese Kompromisslosigkeit: Ein Jahr später wurde sie abgewählt. Ihrer Karriere konnte dieser Zwischenfall nicht schaden: 1993 wurde sie als dritte Frau zur höchsten Schweizerin gewählt. Derzeit präsidiert Gret Haller den Ausschuss für Menschenrechte im Europaparlament.

Ferdinand Hodler
Wer Hodler nicht kennt, kennt die Schweiz nicht, ist man versucht zu sagen. Sein Bild vom Holzfäller, seine grossen, monumentalen Wandgemälde wie Der Rückzug aus Marignano im Zürcher Landesmuseum, beeindrucken auch heute noch. Mögen seine Bilder den Betrachter zuweilen fast erdrücken – die internationale Anerkennung war und ist dem 1918 verstorbenen Berner Maler gewiss.

Polo Hofer
Polo Hofer vorzustellen, hiesse Wasser in die Aare tragen. Der inzwischen 49-jährige Mundart Rocksänger und Kopf der SchmetterBand ist im Laufe der Zeit zu einer nationalen Symbolfigur geworden. Wenn auch nicht mehr ganz jung, vermag er seine Fans von 8 bis 80 immer noch zu begeistern. Polo ist inzwischen auch Beizer geworden und betreibt mit anderen die Matte Rock Beiz in Bern. Bei Polo war stets viel los: Er war schon im Knast, bekennt sich öffentlich zum Kiffen und scheut auch sonst keine Provokation. Seine Popularität ist aber (oder deswegen?) immer noch ungebrochen.

Peter Kappeler
Seit Anfang 1992 ist Peter Kappeier Präsident der Generaldirektion der Berner Kantonalbank. Der studierte Betriebswirtschafter hat keine einfache Aufgabe, muss er doch das ins Schlingern geratene Staatsinstitut wieder auf gut Kurs bringen. Der 48jährige Kappeier ist dafür bestens gerüstet. Er hat 23 Jahre Erfahrung im Bankwesen, besetzt Verwaltungsratsmandate im Verband Schweizerischer Kantonalbanken, der Schweizerischen Bankiervereinigung und ist Vorstandsmitglied im Handels- und Industrieverein des Kantons Bern.

Paul Klee
Ein starkes spielerisches Element wird den Bildern des wohl bekanntesten Berner Malers nachgesagt. Ob er dies aus Münchenbuchsee, wo er 1879 geboren wurde, mitbekommen hat, ist unklar. Jedenfalls studierte er Künste in München und Bern, wirkte aber vor allem in München, wo er die Maler des Blauen Reiters bestens kannte. Heiteres und Tragisches kommt in seinen Gemälden in gleicher Weise zum Ausdruck.

Theodor Kocher
Lernbegierig war er schon immer, der einzige Nobelpreisträger der Uni Bern. Theodor Kocher, der aus Büren an der Aare stammte, besuchte die Schule ein Jahr früher als seine Kameraden. Mit 17 Jahren begann er sein Medizinstudium, mit 24 Jahren schloss er es im Jahre 1865 summa cum laude ab. Für seine Leistungen bei der Erforschung der Schilddrüse und ihrer Krankheiten erhielt er 1910 den Nobelpreis für Medizin. Wohlverdient, denn er hat mit seinen Erkenntnissen manchem Kropfkranken das Leben wesentlich erleichtert. Kein Wunder, dass ihn die Stadt Bern heute mit Kocherpark, -villa, -haus und -spital sowie einem Institut ehrt.

Georg Krneta
Edler Berner Filz, sagen seine Kritiker, hat einen Namen: Georg Krneta. Wenig andere repräsentieren eine derartige Machtkonzentration wie er. Der 63jährige Krneta ist sowohl Präsident des Verwaltungsrates der milliardenschweren Merkur als auch der Landis & Gyr. Er sitzt im VR von über zwanzig weiteren Firmen. Das Anwaltsbüro am berühmten Münzgraben 6, wo er residiert, hat sich seit der Gründung 1918 zu einer der wichtigsten Machtzentralen der Schweiz entwickelt. Nichtsdestotrotz wird Krneta als äusserst umgänglich und «stinknormal» beschrieben.

Francois Loeb
Francois Loeb ist zwar FDP-Mitglied, aber so recht passen will das zu dem eigenwilligen Nationalrat nicht. Für den Chef über das Loeb-Imperium und 850 Angestellte sind nämlich Worte wie soziale Gerechtigkeit nicht bloss Platitüden, sondern in die Tat umgesetzte Realität. So kann es auch mal vorkommen, dass der Chef höchstpersönlich an der Kasse steht. In seiner kargen Freizeit entwickelt der ehemalige Damenkonfektions-Verkäufer am liebsten unkonventionelle, «Loebliche» Ideen oder lässt sich vom Regional-TV TeleBärn bei seinem grossen Hobby, dem Segeln auf dem Murtensee, filmen.

Bernhard Luginbühl
Wahrlich, ein schweres Kaliber: 120 Kilogramm Leibesfülle bringt er mit, dazu schräge Ideen und eine Besessenheit, die ihn oberflächlich betrachtet als spinnerten Kreativen erscheinen lässt. Dabei ist er alles andere als der exzentrische Künstler: 1929 als einziger Sohn in eine traditionelle Berner Metzgerfamilie hineingeboren, merkt man dem Zeichner, Schreiber, Eisenplastiker und Feuerkünstler noch heute seine Bodenständigkeit an. Luginbühl wohnt auf dem Land, wo er noch genügend Platz findet, seine Eisenmonster zusammenzuschweissen, denn Städte, «Betonvilles», verabscheut er. Ruhe in dieser für ihn rastlosen Welt findet Luginbühl bei seiner Frau Ursi. Sie hält er für die Grösste, neben ihr sei er «ein Zwerg».

AIfred Marti
Für Publizität hat der grosse alte Mann der Bauwirtschaft nun wirklich nichts übrig. Über Erfolg oder Misserfolg seines Firmenimperiums will er «nüüd dergliiche tue», wie er vor Jahren der Bilanz verriet. Solche Statements passen zu ihm: Der inzwischen 86jährige gilt als bescheiden, liebenswürdig und sehr pressescheu. «Er ist ein grosser Berner», meinte einst der frühere Berner Stadtpräsident Werner Bircher. Aber offenbar auch ein schwieriger: Die Gruppe der Schweizerischen Bauindustrie (SBI) versuchte mehrmals, ihn zum Beitritt zu bewegen, was eine Offenlegung seiner Geschäftszahlen zur Folge gehabt hätte. Marti antwortete darauf so verschlossen wie eine Baustelle nach Feierabend: «Ich sage nichts.»

Mani Matter
Man erinnert sich noch heute an ihn, den «sanften Kritiker mit seiner intellektuellen Brillanz» (Frauchiger) und der Fähigkeit, jeden noch so komplexen Tatbestand blitzschnell in seinem Kern zu erfassen. Der grosse Mundartpoet, Dr. iur. Hans Peter «Mani» Matter, wurde nur 36 Jahre alt. Auf der Fahrt zu einem Chansonabend verunglückte der Berner Troubadour der ersten Stunde tödlich. Dennoch prägte er mit seinen Liedern über Gott und die Welt eine ganze Schweizer Musikergeneration und wurde bei Heerscharen von Kindern auch postum zum Ohrwurmlieferanten.

Paul Meier
Der als umgänglich und diplomatisch taxierte Paul Meier ist seit dem 3. Juli 1995 Direktor der Schweizerischen Volksbank. Der 50jährige Banker mit Handelsdiplom und 28 Jahren Praxis bei der Kreditanstalt ist jedoch kein Volksbank-Neuling. Als Mitglied der SKA-Generaldirektion hat er seit längerem an der Strategiesuche der Grossbank massgeblich mitgearbeitet. Gerühmt wird denn auch seine Arbeitsdisziplin.

Jürg Messerli
Ab 1. Januar 1996 wird Jürg Messerli den ganzen Raum Bern-Biel mit Detailhandelsprodukten beliefern. Dann nämlich übernimmt der 52jährige Betriebswirtschafter die Gesamtleitung der fusionierenden Coop Bern und Coop Biel-Bienne. Coop Bern führt Messerli bereits seit 1984. Messerli ist ein musikalischer Detailhändler: Einst leitete er das Sinfonieorchester der Uni Bern.

Madame de Meuron
Die letzte grosse Berner Patrizierin starb 1980 im Alter von 98 Jahren. Über die Schlossherrin von Rümligen und Amsoldingen kursierten unzählige Geschichtchen und Anekdoten. Madame de Meuron - mit vollem Namen Elisabeth von Meuron-von Tscharner - hatte längst den Ruf eines Originals erlangt. Mit ihrem berühmtesten Spruch - «Sit dr öpper oder schaffet dr?» (das «R» im Rachen gerollt) - verkörperte sie altes Berner Standesbewusstsein. Kurz vor ihrem Tod merkte Madame de Meuron selber, dass sie nicht mehr so recht in die Zeit passte.

Frank A. Meyer
Dem Bieler Chefpublizisten der Ringier-Gruppe wird grosser Einfluss auf gewisse Bundesräte nachgesagt. Dass Meyer, der schöne Autos liebt, früher Stadtrat von Biel und Mitbegründer des Medienbüros Cortesi war, ist heute weniger bekannt. Bekannter dürfte seine Fernsehsendung Vis-a-vis sein, wo Meyer mit Grössen wie dem deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl über Gott und die Welt plaudert. Nicht unumstritten sind seine Kolumnen in diversen Ringier-Blättern, die von seinen Feinden mitunter als populistisch empfunden werden.

Rudolf Minger
Über keinen Bundesrat zirkulierten seinerzeit derart viele Anekdoten und Witze wie über den Berner Bauern Rudolf Minger. Die Geschichten rührten jedoch nicht an seiner Ehre, im Gegenteil, sie bewiesen seine unglaubliche Popularität. Der «Bauernführer» wurde 1929 erster Bundesrat seiner Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei BGB, der nachmaligen SVP. In den wirren Zwischenkriegsjahren stärkte Minger als EMD-Vorsteher den Wehrwillen des Schweizer Volkes mit seiner geradlinigen, volkstümlichen Art, trat jedoch 1940 mitten im Krieg aus dem Bundesrat zurück. Noch heute erinnert in Schüpfen der Rudolf-Minger-Lauf an den berühmtesten Sohn des Dorfes.

Maurice E. Müller
Im Kanton Bern wurde auch medizinische Geschichte geschrieben: Maurice E. Müller, 1918 geboren in Biel, gründete 1958 mit 13 weiteren Kollegen im Bieler Hotel Elite die «Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthese». Damals war diese Behandlungsmethode für Knochenbrüche in der Fachwelt auf Skepsis gestossen, weil sie, anders als die herkömmliche Böhler-Methode, auf den Gips verzichtet und die Knochen statt dessen mit Metallplatten zusammenhält. Die Zeit hat «Schnäuzchen»-Müller aber Recht gegeben, und so kräht heute kein Hahn mehr danach, wenn nach der Müllerschen Methode operiert wird. Müller gründete ebenfalls das M.-E. Müller-Institut für Biomechanik, das heute Bestandteil der Universität Bern ist.

Hans Oeschger
Bereits Anfang der 60er Jahre wurde im Zusammenhang mit den Atomwaffen-Versuchen eine 1000fache Anreicherung von Tritium (radioaktives Isoptop) in der Berner Luft festgestellt. Der Mann, der dies und noch viel mehr entdeckt hat, heisst Hans Oeschger und war bis 1992 Leiter der Abteilung Klima- und Umweltphysik an der Universität Bern. Der 1927 geborene Oeschger ist eine internationale Kapazität auf dem Gebiet der Klimaforschung, hat er doch zum Beispiel den Oeschger-Counter entwickelt, ein Gerät, mit dem sich der radioaktive Zerfall von C-14 und Argon messen lässt. Anhand dieser Werte kann das Alter der untersuchten Materie in der Paläontologie bestimmt werden.

Adolf Ogi
Adolf Ogi hat wahrlich Blitzkarriere gemacht: Als Kaufmann kam der 27jährige zum Skiverband, sechs Jahre später war er bereits dessen Direktor. Wieder sechs Jahre später wurde er Generaldirektor bei Intersport - zwischendurch schaffte er es noch locker in den Nationalrat (1979), wo er sich unter anderem als schnellster Skifahrer im Parlament einen Namen machte. Seit 1987 ist der hemdsärmlige Kandersteger Vorsteher des EVED im Bundesrat und übernimmt im November das EMD. Die anfänglich harsche Kritik an seiner einfachen Schulbildung strafte Ogi mit erfolgreichen Verhandlungsabschlüssen in Brüssel. Der Flug auf der Popularitätswolke endete aber jäh in den Tunnelröhren der geplanten Neat. Der Europa-Befürworter gerät zusehends ins politische Kreuzfeuer, auch bei den eigenen SVP-Leuten.

Meret Oppenheim
Die Deutschschweizer Malerin, Collagistin und Objektkünstlerin Meret Oppenheim hat einen Teil ihrer Jugendzeit im Berner Jura verbracht. Bereits in jungen Jahren erregte sie mit ihren surrealistischen Werken Aufsehen in der Kunstwelt. Meret Oppenheim wirkte vor allem in Paris und Basel. Ihre Bedeutung für den Surrealismus wurde eigentlich erst nach ihrem Tod im Jahre 1985 erfasst, so dass Kunstfreunde noch auf etliche Retrospektiven hoffen dürfen. Ein Oppenheim-Brunnen steht auf dem Berner Waisenhausplatz.

Albrecht Rychen
Der Nationalrat und Präsident der Berner SVP leidet darunter, dass ihn in Zürich (laut Blocher) niemand kennt - dabei hätte er es durchaus verdient. Rychen bildet mit Ulrich Zimmerli die Spitze des liberalen Gegenparts zur Zürcher SVP. Wenn er neben diesem K(r)ampf noch Zeit für anderes findet, ist er vorzugsweise Rektor der Berufsschule Lyss oder Präsident der Bernischen Krankenkassen.

Jürg Scherrer
Markige Sprüche, gelassen ausgeprochen: das ist kennzeichnend für Jürg Scherrer. Nach der TV-Sendung Arena ist die heimliche Nummer zwei der Schweizer Freiheitspartei (früher Autopartei) auch schon mal mit dem Antirassismus-Gesetz in Konflikt geraten; allzu locker hat er sich über die Unterschiede zwischen Bielern und Tamilen geäussert. Seit 1992 ist der Nationalrat Jürg Scherrer auch Bieler Baudirektor. Der Umzug in die Uhrenstadt scheint sich für den 47jährigen Ex-Zürcher gelohnt zu haben, denn er fühlt sich im Exekutivamt «sauwohl» - wohler als einige seiner Beamten.

Ernst Andrea Scherz
Wer es sich leisten kann, in seinem Hotel zu wohnen, gehört zur Crème der Gesellschaft: Ernst Andrea Scherz führt das HighSociety-Hotel Palace in Gstaad. Auch wenn das Hotel nur halbjährig geöffnet ist, erzielt es einen Umsatz von 15 Millionen Franken; notabene bei einer Bettenauslastung von immerhin knapp 80 Prozent. Das Palace existiert seit 81 Jahren. 56 davon ist es im Besitz der Familie Scherz, und seit 26 Jahren führt es der 56jährige Ernst Andrea Scherz.

Jörg Müller & Jörg Steiner
Redet man von einem, darf man den anderen nicht vergessen: Jörg Müller und Jörg Steiner, kongeniale Freunde aus Biel, der eine, Steiner, ist Schriftsteller, der andere Illustrator. Müller wurde im vergangenen Jahr mit dem Hans-Christian-Andersen Preis, dem «Oscar» für Kinderbücher, ausgezeichnet. Nicht selten schreibt Steiner, der Erich Fried-Preisträger von 1994, die Texte zu Müllers Illustrationen. Die Symbiose der beiden ist wohl gleichzeitig ihr Erfolgsrezept.

Rudolf Strahm
Der 48jährige Volkswirtschafter, Chemiker und SP-Nationalrat Rudolf Strahm hat sich schon immer für die soziale Welt eingesetzt. Er leitete das Sekretariat der Entwicklungsorganisation Erklärung von Bern und der Naturfreunde Schweiz. Seit 1991 ist er Präsident des Schweizerischen Mieterverbandes (Deutschschweiz). Doch Strahm will ob seinen politischen Verpflichtungen nicht das Leben verpassen. Genauso wichtig wie seine Engagements ist ihm sein Familienleben, wo er als «Hausmann im Nebenjob» integriert ist. Nebenbei veröffentlicht er auch vielbeachtete Lehrbücher über Ökonomie und Ökologie.

Marc F. Suter
«Grossrat Marc F. Suter ist ein selbstbewusster Politiker», stand einmal über ihn geschrieben. Erstaunlich genug, wenn man bedenkt, dass der 42jährige Bieler allen Grund zu Selbstmitleid hätte: Seit einem Autounfall im Jahre 1973 ist er, querschnittgelähmt, an den Rollstuhl gebunden. Nichtsdestotrotz ist der Jurist und Inhaber eines Anwaltbüros heute ein allseits geachteter FDP-Nationalrat, der sich aber keineswegs als Behinderten-Politiker sehen will. Seine Schwerpunktthemen sind die Finanz- und Sozialpolitik. Marc F. Suter ist Zentralpräsident der Europäischen Bewegung Schweiz und ein entschiedener Befürworter der schweizerischen Integration in Europa.

Peter Vollmer
Dem 49jährigen SP-Nationalrat Peter Vollmer läuft der seiner Meinung nach grassierende Opportunismus in der Politik zuwider. Der Alt-68er und Präsident der Stiftung für Konsumentenschutz nimmt im Kampf für die Arbeiterklasse und andere Unterdrückte auch schon mal Niederlagen in den eigenen Parteireihen in Kauf, auch wenn ihm dies den Ruf eines «Apparatschiks» einbringt. Bekannt wurde Vollmer auch wegen des berühmt-berüchtigten DDR-«Reisli», das er 1982 als SPS-Vizepräsident mit seinem Ziehvater Helmut Hubacher und anderen SP-Vertretern genossen hatte.

Adrian von Bubenberg
Ein Feldherr von cäsarischer Grösse war er, will man alten Berner Geschichtsbüchern glauben. In Murten wies Adrian von Bubenberg, Abkömmling einer alten bernischen Schultheissenfamilie, anno 1476 den schillernden Burgunderkönig Karl den Kühnen in die Schranken. Von Bubenberg verteidigte das Städtchen gegen den auf Bern vorrückenden Karl so hervorragend, dass einerseits noch heute auf Berns Gassen seiner gedacht wird und andererseits die Eidgenossen damals noch rechtzeitig kamen, um dem stolzen Karl den Mut zu nehmen.

Charles von Graffenried
Charles von Graffenried macht seinem aristokratischen Namen alle Ehre: Er ist mit rund 6000 Wohnungen nicht nur der Immobilienbaron von Bern, sondern auch der Medienzar. Als Verwaltungsratspräsident der Berner Tagblatt Medien AG führt der Abkömmling einer alteingesessenen Berner Burgerfamilie den grössten Medienkonzern auf dem Platz und kann seiner Stimme über Radio, Fernsehen und Zeitung Gehör verschaffen, ohne dabei selbst sprechen zu müssen, denn das tut er in der Öffentlichkeit gar nicht gerne.

Albrecht von Haller
Von Haller wurde 1708 in Bern geboren. Er war Mediziner, Botaniker, Dichter (Die Alpen), Historiker, Staatsmann und wahrscheinlich der bedeutendste Schweizer Universalgelehrte des 18. Jahrhunderts. Von Haller starb 69jährig und hinterliess rund 12000 Briefe, die er von Kapazitäten aus aller Welt erhielt. Heute prägt sein Antlitz die 500 Franken-Note.

Robert Walser
Manchmal bestritt er ein Leben als Gehilfe, manchmal als Dienstbote, Schauspieler oder Vagabund. Als Schriftsteller aber wurde der Bieler Robert Walser von den grössten Künstlern seiner Zeit anerkannt: Musil, Zweig und Kafka liessen sich von ihm inspirieren. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in einem Heim; er starb im ersten Schnee des Weihnachtstages 1956 im Alter von 78 Jahren.

Benedikt Weibel
Dass die Bähnler schon immer engagierte Gewerkschafter waren, ist allgemein bekannt. Dass aber ein Alt-68er und gestandener Sozialdemokrat auf dem höchsten SBB-Stuhl Platz nahm, löste 1993 doch ein Rascheln im Blätterwald aus. Geschafft hat dies der heute 49jährige Benedikt Weibel, Doktor der Wirtschaftswissenschaften und seit zwei Jahren Präsident der SBB Generaldirektion. Der Bob-Dylan-Fan hat im Grossunternehmen mit seinen knapp 33 000 Mitarbeitern keine einfache Aufgabe: Hohe Defizite, gigantische Bauvorhaben und sich überstürzende Umwälzungen im internationalen Bahnverkehr halten den patentierten Bergführer in Atem.

Ulrich Zimmerli
Ein Mann, der oft auf verlorenem Posten steht: Ulrich Zimmerli. Der Berner Freigeist, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Uni Bern, hat es schwer in seiner Partei. Zwar versucht er mit seinem Adlaten Rychen in der SVP zu retten, was noch zu retten ist, aber im Moment ist der Zeitgeist in Form des Zürcher SVP-Flügels eindeutig gegen das Berner Duo. Ungeachtet dessen ist Ständerat Zimmerli ein robuster und sachlicher Politiker, der sich in seinem Spezialgebiet Staatsrecht auskennt wie kaum ein zweiter. Und das macht ihn, wenn auch nicht in seiner Partei, so doch bei seinen politischen Gegnern durchaus sympathisch.
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