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GOOG

Thursday, 27 September 2007

Im Frühjahr 2000, die Welt war nicht untergegangen, sehr früh am Morgen, stand ich auf einem Trottoir in San Francisco und trank einen Coffee to go. Plötzlich kamen seltsame Gestalten um die Ecke, in weissen Nachthemden, sie lachten und verteilten kleine Zettel. Man erwartete ein Pamphlet für freien Drogenkonsum, aber auf dem Stück Papier stand nichts zum Thema LSD, sondern etwas weniger allgemein bekanntes: “Don’t be evil. Google.”

Bis heute weiss ich, was ich mir dabei gedachte habe: Der Claim ist kalifornisch gut, aber ob sich Google gegen die anderen Suchmaschinen würde behaupten können, daran hatte ich Zweifel. Bei Google standen ungefähr 50 Personen auf der Lohnliste (heute sind es 16’000), und die Firmen hinter AltaVista, Lycos oder HotBot waren nicht eben klein. Der Rest ist Legende: Google hat sie alle gefressen. Die grösste Bibliothek der Welt, die amerikanische Library of Congress, nein, Google hat sie nicht wirklich überflüssig gemacht. Aber ihre Informationsfülle ist ein Tropfen im Vergleich zum Ozean der Daten, welche Google in jeder Sekunde verknüpft und damit wertvoller macht.

Ein riesiges, weltweites Computer-Netzwerk, eine Art Destillat des eigentlichen Internets, wartet zu jeder Sekunde darauf, von noch besseren Algorithmen durchforstet zu werden. Thomas Jefferson, der Autor der Unabhängigkeitserklärung, ging davon aus, dass “Information die Währung der Demokratie” sei. Der gläserne Mensch wird nur dann zum Problem, wenn der Röntgenblick ein Privileg von wenigen ist, einer Staatsnomenklatura etwa.

Radikal zu Ende gedacht hat Google das Potential, zu einer weltweiten, zweiten Revolutionsmaschine zu werden, die möglicherweise noch grössere Folgen nach sich zieht, als es die französische getan hat. Die Frage, die sich stellt: Wo steht die Bastille heute? Und wer ist der neue Louix XVI? Man darf darüber philosophieren, aber wahrscheinlicher ist es, dass Google eines Tages entweder an sich selber zerbricht oder übers Knie gelegt wird von Kräften, denen ein astronomisch hoher Aktienkurs keinen Schrecken einjagt. Nicht heute oder morgen, aber Im Lauf der Zeit.

Google täte gut daran, sich eine politische Lobby aufzubauen um den Menschen zu erklären, was Google eigentlich ist. Arnold Schwarzenegger und Bernard-Henri Lévy, könnte ich mir vorstellen, würden sich gut für diese Aufgabe eignen. Und dann dürfte GOOG auch als 193. Staat den Vereinten Nationen beitreten.