Grossverteiler
Thursday, 02 April 2009
Migros
Nur wenige Kilometer vor Meilen, in Erlenbach an der Zürcher Goldküste, befindet sich der Primus inter pares der Migrosmärkte. Jede Filliale hat natürlich einen gewissen Handlungsspielraum, wenn es um die angebotenen Waren geht (preislich meistens diametral dem Steuerfuss entgegengesetzt) und die Filialen der reichen Seegemeinden nutzen diesen augenscheinlich aus: Die Gestelle sind prallvoll mit erlesenen Séléction-Produkten wie dem exzellenten Tomini aux olives noires aus dem Piemont, fruchtigem Caa-Tay-Honig (der in Argentinien gewonnen wird; aus Bienenkästen, die auf Holzpfählen im Wasser stehen) und sogar Hummer aus Kanada findet sich in der Fischtheke. Letzterer natürlich nicht mehr alive and kicking, aber dennoch: Wenn das Dutti wüsste.
Das Warenhaus, vor dessen Eingang sich ganz Bern trifft («Loeb-Eggä»), ist eine grosse Nummer in der Stadt, wie auch François Loeb, der Urenkel des Namensgebers. Der Erfinder der «loeblichen Ideen», früher FDP-Nationalrat und Schriftsteller und inzwischen pensioniert, hat das 1881 eröffnete Geschäft an der «Spitugass» zum Pflichtprogramm für Bern-Besucher gemacht (alleine das Schaufenster ist eine Sehenswürdigkeit). Und besonders auch die Delikatessenabteilung (vis-à-vis an der Schauplatzgasse) hat es in sich: Japanisches Kabuki-Salatdressing, die berühmten «Kettle»-Chips aus Oregon, «Beschle»-Schokolade aus Basel oder unzählige regionale Spezialitäten wie die «Berner Knolle» (sieht aus und schneidet sich wie Trüffel, ist aber Käse mit Pfefferstaub) – dafür geht der Geniesser meilenweit.
Coop
In meinem Freundeskreis hält sich seit Jahren die seltsame Tradition, kurz vor Weihnachten auf einer Dachterrasse in Zürich zu grillieren – nächtens und bei beissender Kälte. Das zünftige Glas Wodka und die salzigen Cracker zur Begrüssung halten warm (wenn auch nur kurz). Ich erwähne die Snacks, weil ich kürzlich bei Coop City etwas überwältigt vor genau diesem Regal stand: Die Verhältnisse sind zwar nicht amerikanisch, werden sie aus Platzgründen vermutlich auch nie sein, aber die Auswahl lässt keine Wünsche offen. Verschiedene Marken, verschiedenste Sorten, nicht zuwenig vom leckeren Fine Food – Volltreffer. Biomarkt, Dorflädeli, Grossverteiler, Weinhandel und Discounter: Coop, das Schweizer Sackmesser unter den Grossverteilern.
Jelmoli
Kürzlich wurde ich an einen Rohkost-Kochkurs eingeladen. Rohkost, sind das nicht die Dinge, die man in kalorienreiche Saucen tunkt? Tatsächlich meint Wikipedia, dass es sich dabei um Lebensmittel handelt, «die ohne vorherige Hitzebehandlung wie kochen, braten oder backen verzehrt werden». Die Einkaufsliste des Kurses trägt dem Rechnung (vermutlich): Cherry Saporini, Pastinaken, Manjok, Patisson, Antillas, Mangold. Was ist das alles? Gut, gibt es in so einem Fall die Gourmet-Factory. Die Markthalle erinnert tatsächlich ein bisschen an Les halles in Paris, mit sehr schön hergerichteten und grosszügigen Theken (Käseliebhaber wähnen sich sogar im viel zitierten El Dorado). Ebenfalls sehr apart beim Gemüse: Die kleinen Düsen, welche die «völlig im Naturzustand» belassene Nahrung mit Wasser besprühen.
Globus
Wortwörtlich gehört zu Rohkost auch Tatar, das rohe Rindfleisch, welches die Tataren (ein osteuropäischer Volksstamm des Dschinghis-Khan) der Legende nach unter ihren Pferdesätteln mürbe geritten und anschliessend verzehrt haben sollen. Was mich zur Fleischtheke von Globus führt, zu der ich ein besonders inniges Verhältnis habe. Seit Jahren koche ich nun schon Entrecôte nach der Niedergartemperatur-Methode, was explizit nach Schweizer Fleisch verlangt, da sich die Maserung erheblich vom amerikanischen Rib Eye unterscheidet. Selbstredend, dass beides und auch der Weihnachtsbraten in höchster Qualität bei delicatessa zu haben ist. Nebenbei: Alleine die kompetente Bedienung (mit der es sich wunderbar fachsimpelt) macht den Besuch lohnenswert.
Marinello
Kein Grossverteiler im Wortsinn, aber bereits seit 52 Jahren eine Institution und eine der ersten Adressen in Zürichs Lebensmittelhandel ist das Familienunternehmen mit den markanten, grün-gelben Filialen. Die Auswahl ist gross (beim Wein sogar verblüffend), die Waren qualitativ einwandfrei, eine grosszügige Theke mit Frischwaren ist auch vorhanden und inzwischen kann man sich sogar Sushi einpacken lassen. Ich statte Marinello immer gerne einen Besuch ab, es ist ein bisschen so, als ob man in New York kurz um die Ecke geht, um Besorgungen zu machen. Nicht zuletzt der Öffnungszeiten wegen, die der Homo oeconomicus besonders schätzt (je nach Lage täglich bis um 22 Uhr) und die schon unzählige spontane Abende mit Pasta e vino rosso überhaupt erst möglich gemacht haben.
