In der Opera
Monday, 22 October 2007
Vor ein paar Tagen, in Amsterdam, sass ich zufällig in einer Bar neben drei Angestellten von Opera Software. Die Skandinavier lizenzieren ihren Webbrowser an Mobiltelefon-Hersteller und erfreuen sich blühender Geschäfte. Auch die Bar ist bemerkenswert, das Whisky-Sortiment Weltklasse: 1000 Sorten stehen zur Auswahl. Wir kamen also ins Gespräch.
Zuerst aber: Es bedarf keines Propheten um festzustellen, dass der Zugriff aufs Internet on the road eine wichtige Rolle spielen wird. Das grundsätzliche Problem bleibt die Tatsache, dass das Web sowohl in der Band- als auch der Bildschirmbreite relativ hohe Ansprüche stellt. Technologien wie WAP lösen das Problem insofern nicht, als dass niemand verschiedene Versionen seiner Webseite produzieren möchte und die User reduzierte Funktionalität bereits bekannter Seiten nur schwer akzeptieren.
Um dem Problem Herr zu werden kann es daher nicht einfach genügen, bloss die Webseite verkleinert darzustellen; neue Bedienkonzepte sind gefragt, die die Unzulänglichkeiten von kleinen Geräten, wie das Fehlen einer Maus, kompensieren. Opera Software ist in dieser Hinsicht nicht zu beneiden, sind die Entwickler doch auf die Möglichkeiten der Hardware angewiesen, ohne darauf Einfluss nehmen zu können. Ihre Demonstration von Opera Mini auf einem Nokia E90 war entsprechend aufschlussreich: Zwar ist die Darstellungsqualität dank hochauflösendem Display sehr gut und das Tempo mit UMTS ansprechend, die Bedienung vom Web mit der Tastatur allerdings hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Vielleicht wäre man vor zwei Jahren an die Bar gesprungen und hätte sich vor lauter Entzückung noch einmal einen genehmigt. Wer heute aber mit einem Gerät wie dem iPhone ins Web gelangt, weiss, wohin die Reise geht.
Es wird interessant sein zu sehen, ob das umfangreich patentierte Apple-Telephon den anderen Herstellern ähnlich gute Lösungen verbaut, oder ob es bloss eine Frage der Zeit ist, bis jedes Kommunikationsgerät auf Berührungen und Gesten reagiert. Wie auch immer: Solange man die Bildschirme nicht falten und in die Hosentasche stecken kann, wird der klassische Laptop das essentielle Arbeitsgerät für die digitalen Nomaden bleiben. Das sahen auch meine schwedischen Kollegen so. Weitere Whiskies und Skål! sollten folgen. Die Bar übrigens, heisst Whiskycafé L&B und befindet sich an der kurzen Leidsedwarsstraat unweit vom Leidseplein.
