My Scotch

Saturday, 05 September 2009


Wenngleich dem Whisky noch immer ein leicht altherrenhafter Dünkel anhaftet (wie so vielen Dingen, die im 17. Jahrhundert ihren kommerziellen Durchbruch erlebten), lohnt es sehr, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Whisky ist wie Wein ein kulturell wertvolles Gut und wer darüber Bescheid weiss, wird ihn nie mehr auf dieselbe Art und Weise trinken wie es der Uneingeweihte tut. Was also ist besser geeignet als dem, der schon alles hat, eine Reise nach Schottland zu schenken?

Natürlich, die Klagen über das Wetter sind berechtigt und schon manch einer der meinte, des Englischen mächtig zu sein, musste sich in Glasgow eines besseren belehren lassen. Trotzdem nimmt einem das Land mit seinen herzlichen Bewohnern und einem naturnahen Lebensstil für sich ein. Wer die grünen Felder, die weidenden Schafe und das rauhe Klima hautnah miterlebt meint plötzlich zu spüren, dass Whisky hier und nur hier erfunden worden sein kann (die Iren sind in dieser Sache dezidiert anderer Meinung, aber der Gedanke zählt).

Mythos und Realität scheinen denkungsgleich zu sein und so lernt denn der zu Bekehrende auf seiner Reise durch die Distillerien der Highlands, von Islay oder Speyside allerlei wissenswertes (welche Getreidesorten für das Gebräu verwendet werden), erstaunliches (Whisky darf man durchaus mit Wasser verdünnen) und vermeintlich banales: Whisky heisst es nur in Schottland, Kanada und Japan, der Rest der Welt kennt den Whiskey. À propos Rest der Welt: Für manche ist Schottland ähnlich heilige Erde wie Jerusalem oder Mekka. Diskussionen unter Experten können entsprechend hitzig verlaufen – aber Spass macht es immer, darüber zu philosophieren. Nicht zuletzt deswegen möchte man den Digestif in geselliger Runde nicht mehr missen.

Balvenie Portwood, 21 years old
Fast immer ist es eine geschmackliche Erleuchtung, die einem für ein Thema einnimmt. Ist es beim Wein ein 89er Château Montrose, der mich damals in die Falle gelockt hat, war es beim Whisky ein Glas aus dem Hause Balvenie. Vermeintlich zähflüssig und mit komplexer Honigsüsse vermag er sofort auch diejenigen zu begeistern, die dem Nachtisch bisher wenig Beachtung geschenkt haben.

Chivas Regal, 25 years old
Ein Blend, gewiss, aber was für einer; die Chivas Brothers verfeinern schliesslich nicht umsonst seit bereits 208 Jahren die Kunst der richtigen Mischung. Der exklusive 25-jährige Regal (linguistisch verwandt mit Royal) begeistert mit überragender Subtilität. Mit ein bisschen Wasser verdünnt der perfekte Compagnon zum Beispiel zu einem Fischgericht, Austern oder Jakobsmuscheln.

Chivas Brothers, Linn House Reserve, 35 years old
Nicht im freien Verkauf erhältlich, ist dieser seltene und exzellente Blend den Gästen von besagtem Linn House vorbehalten. Mehr ein kleines Schloss mit Parkanlage als ein ordinäres Haus, verköstigen und beherbergen die Chivas Brothers dort Geschäftspartner und Freunde. Do the math. Das Juwel kann besichtigt werden und befindet sich in Keith, Schottland.

Glenfarclas, 1987, Single Sherry Cask
Gereift in ein und demselben Sherry-Fass, verströmt er wie erwartet vor allem süssliche Noten. Aber mit welcher Intensität und Harmonie! Nach dem ersten Schluck erinnerte ich mich an meine Kindheit und die Vanilleglacé aus der Migros im Eisfach (eine Robbe ziert auch heute noch die gleiche, blaue Glacé-Verpackung). The more things change, the more they stay the same.

Lagavulin, 12 years old
Ein Single Malt für jede Gelegenheit, und das ist keine verklausulierte Kritik, im Gegenteil. Besonders, aber nicht nur, überzeugt Jahrgang 1995 mit leicht salzigem Torfgeschmack und auf der Zunge spürt man die europäische Eiche, oder zumindest bildet man sich das ein. Erwähnenswert: Die zwölfjährige Edition ist seltener erhältlich als der bekannte, vier Jahre ältere Bruder.

Laphroaig, 10 years old
Etymologisch gesehen ist das Wort Whisky dem Gälischen entnommen und bedeutet Eau de vie – nach einem Schluck Laphroaig weiss man, warum dem so ist. Der rauchige und modrige Kellergeschmack, der analog dem Schinken durch die Behandlung des Getreides mit Rauch erzeugt wird, ist zwar typisch für die Gegend von Islay, aber in dieser schaurigen und schon fast beklemmenden Intensität einzigartig.

MacCutcheon, 60 years old
Glücklich schätzen kann sich, wer schon nur an diesem Meisterwerk riechen darf. Vorwiegend von egozentrischen Industriellen und seelengequälten Auftragskillern getrunken, sind nur wenige Exemplare überhaupt im Umlauf – entsprechend astronomisch sind die Preise. Noch wichtiger als der monetäre Faktor ist allerdings, dass man sich dem Tropfen würdig erweist.

Michel Couvreur, 12 years old
Ein Belgier, der seinen Scotch in einem Keller im Burgund alt werden lässt, bräuchte sich um den Unique Selling Point wahrlich keine Sorgen zu machen. Aber Couvreur lässt es nicht dabei bleiben, sondern verschneidet diverse Single Malt Erzeugnisse, um daraus den eher seltenen, sogenannten Vatted Malt zu produzieren – und der überzeugt mit intensiver Fruchtnote auch den Whisky-Puristen.

Port Ellen, 1982
Dieses Kunstwerk wird es so nicht mehr lange geben, diese Distillerie auf Islay wurde 1983 geschlossen. Leicht phenolischer Geschmack gemischt mit malziger Süsse; der edle Klassiker verbreitet den herben Geruch des Meeres und überzeugt mit einem überragenden Bouquet und enorm langem Abgang. Ein Whisky für die sehr spezielle Gelegenheit (die damit noch spezieller wird).