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Das Schlüsselbrett

Wednesday, 16 April 2008

Wenn man davon ausgeht, dass nur noch Zoë Jenny von Hand und Woody Allen mit der Schreibmaschine schreiben, ist die ordinäre Tastatur (englisch: Keyboard) tatsächlich so etwas wie das Skalpell des Schreibenden.

Normalerweise ist das aber nicht wirklich das Gerät auf das man sich freut, wenn man sich einen Computer kauft. In der Regel liegt es lieblos in der Box und die Kunststoff-Qualität erinnert einem fatalerweise an das Spielzeug in der Chips-Tüte. Trotzdem habe ich nie wirklich hinterfragt, warum dieses weisse Ding so dick ist wie ein Walfisch und meine Handgelenke schmerzen.

Eines Tages aber stand auf dem Schreibtisch eines Bekannten ein neuer Rechner, schön und schnell war er, Beachtung allerdings schenkte ich ihm keine. Magisch angezogen wurde ich von der Tastatur, die vor ihm lag: Dünn wie ein Rasiermesser. Es war ein Moment der Erleuchtung: Unzählige Anschläge, gekrümmte Finger, ein stumpfes Skalpell, alles zog innerhalb einer Sekunde in Gedanken an mir vorbei und mir wurde klar, dass Change we can believe in.

Natürlich gab es schon immer Tastaturen verschiedenster Provenienz, auf einem Stück Stoff, virtuell mit Laser und manche ergonomischen versprechen sogar das berüchtigte Repetitive Strain Injury Syndrome (vulgo: Sehnenscheidenentzündung) einzudämmen. Aber allen ist gemein, dass sie einen anderen Nerv stark beanspruchen: Den Sehnerv.

Nicht so mein neustes Schmuckstück: An der tiefsten Stelle bloss knapp fünf Millimeter hoch, Aluminium mit weissen, flachen Tasten, hört auf den Namen Keyboard, kostet 75 Franken und hat mein Herz im Sturm erobert. Das Schreibgefühl ist radikal besser als vorher, man tippt, als lägen die Finger flach auf dem Tisch. Offensichtlich hat sich jemand intensiv Gedanken darüber gemacht, wie man diesen Alltagsgegenstand verbessern könnte, ohne dem Benutzer neue Konzepte aufzuzwingen und einmal mehr ist dieser jemand Lohnbezüger bei Apple.

Inoffizieller Technologie-Preis für das raffinierteste Industriedesign der letzten zwölf Monate gebührt also einem Stück dezidierter Low-Tech. Spätestens jetzt gibt es auch für Zoë Jenny keinen Grund mehr, sich der Moderne zu verweigern. Ausser natürlich die gänzliche Absenz der Romantik.