What you not say
Wednesday, 15 April 2009
Restaurant La Côte, Zürich-Wiedikon, 3ème Arrondissement, ein Freund und myself, beide über dreissig, Mittelstand. Wer ist das nicht heute? Ich meine, wer würde sich selber als Unter- oder Oberschicht bezeichnen? Absurd, wir sind nicht in England. Mittelstand also, darum nicht mit internationaler Privatschule oder Frühenglisch gesegnet; wir haben uns über die schweizerdeutsche Sprache unterhalten, auf Schweizerdeutsch natürlich. Wir sind ja nicht in Deutschland, god forbid!
Meine Theorie besagte, dass es sich um eine unglaublich komplizierte, kontextbasierte Sprache handelt, die fast nicht zu erlernen ist ausser vielleicht von Deutschen oder Österreichern. Des Freundes Theorie besagte das Gegenteil, natürlich, nämlich, dass es sich um eine brillant einfache, von fast keiner Regel eingeengte Sprache handelt, die weder ein simple past noch ein Futur kennt. Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen und das Thema eignet sich übrigens auch hervorragend als Sprengstoff in einer Runde mit Freunden aus dem nördlichen Nachbarland.
Da unsere kleine Runde nur aus zwei Schweizern bestand sind wir bald dazu übergegangen, ein Hohelied auf die Confoederatio Helvetica einzustimmen. Ja mehr noch, ich fand, dass die Schweiz tatsächlich die Speerspitze der Zivilisation auf diesem Planeten darstellt. Anmassend, vielleicht, aber die Fakten sprechen für sich (Stadtlandschaften wie Monaco lasse ich aussen vor; wenn alle Einwohner steuerflüchtige Millionäre sind, lässt es sich leicht regieren): Kein anderes Land ist länger unabhängig, demokratisch, friedlich und dazu noch viersprachig (Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch). Kein anderes Land weist einen höheren Kultur-Koeffizienten aus (Kultur pro Quadratmeter, Zürich sprengt jedes Mass), kein anderes Land in Europa ausser Luxembourg hat einen höheren Ausländeranteil. Erstaunlich, nicht wahr.
Aber wir bezahlen auch einen Preis dafür, leider. Des Schweizers Sache ist es nicht, besonders viel Verve zu versprühen. Sagt man. Aber unfreiwillig lustig kann er trotzdem sein, und das ging so: Des Freundes Freund hatte als Kind plötzlich diesen Englisch-Tick, er sagte in einem Gespräch immerzu I don't, I don't. Auf Nachfrage der anderen meinte er stolz, dass das Ich weiss, ich weiss bedeute. Seine logische Erklärung macht Sinn: Ich weiss nicht heisst I don't no, ergo kann es sich bei don't nur um das Verb Wissen handeln.
Der Börner, I don't. Aber wer in einem Restaurant sitzt und einen schönen Abend erlebt, dazu eine Flasche Wein trinkt, findet so etwas sehr lustig. Einfach einmalig, diese Schweizer. Ein lustiges Volk obendrein.
